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Zur Person

Richard Cole, Gründer von Stahl auf Stahl

ZUR PERSON

◄ Mein Name ist Richard Cole, ich wurde 1966 in London geboren. Ich lebe seit 1972 in Deutschland. Ich bin der Schulleiter von Stahl auf Stahl Rhein-Main und der Gründer der Fechtschule Stahl auf Stahl. Dies ist ein Überblick über meine Erfahrungen mit der Kampfkunst.

1977, SCHWERTKAMPF MIT DEM BRUDER

◄ Der Zugang zur Kampfkunst eröffnete sich mir spielerisch durch die Gefechte mit meinem zwei Jahre jüngeren Bruder. Wir hatten beide festgestellt, daß wir uns verletzen konnten. Ausschlaggebend dafür war ein Kopf, welcher beim Raufen gegen eine Heizung gerammt wurde. Fortan empfanden wir beide Kämpfe im Zorn als entwürdigend. Das war für mich der erste wirkliche Schritt zu Kampfkunst, fort von der kindlichen Wut, hin zum ersten Umgehen mit einer überlegten Handlung im Kampfe.

• Also schlugen uns regelmäßig mit selbstgebauten Waffen aus Eisenstangen von der Baustelle. Dann folgten „Schwerter“ aus Bambusrohr. Aus Pappkartons und Klebeband schufen wir uns nach Kendovorlagen Schutzrüstungen, welche erstaunlich viel aushielten. Rasch war klar, daß bloßes Versetzen, also Blocken, nicht zielführend war. Also kamen wir schon als Knaben zum Absetzen von Schlägen. Bald kamen unsere Freunde zu unseren „Kampfkunsttreffen“. So folgten viel Schweiß und viele Prügel (und manche traumatische Erfahrung).

1982, SHOTOKAN-KARATE

◄ Ich trat in den 1. Frankfurter Karate Verein ein, nachdem ich zuvor bei einem Polizeiausbilder Karate kennen lernen durfte. Im Verein wurde bis in den Vollkontakt gestritten, obschon das Shotokan Karate als kontaktlos galt. Aber das Kumite schien mir arg von Glaubenvorstellungen und seltsamen Überzeugungen geprägt. Vor allem die Lehre der Katas gab mir viele Rätsel auf und beeindruckte mich sehr. Also übte ich vor allem die Katas, denn das Kumite war für mich sinnfrei (einer meiner ersten „Kämpfe“ als Weißgürtel gegen einen berüchtigten Braungürtel beendete ich mit einem von mir geplanten Fußfeger, welcher als übler tiefer Rundtritt daher kam). Mir kam es so vor, als ob die Karatekas zumeist eher gegen sich selber als gegen ihre Gegner kämpften. Außerdem lernte ich das Deutsche Vereinswesen kennen und fürchten.

• Das Karate hat mich seit diesen Tagen nicht mehr losgelassen und ich übe es noch heute. Seit meinen ersten Schritten im Shotokan Karate habe ich verschiedene Karatestile kennen lernen können. Heuer ist das Karate aber leider meiner Meinung nach zur reinen Leibesübung verkommen.

1984, NINJUTSU

◄ Die Ninjutsu-Welle der Achtziger erfaßte auch mich. Also suchte ich mir eine Schule und erlernte Hatsumi Ninjutsu bei Wolfgang Ettig. Leider wußte dieser nicht allzusehr worüber er sprach, denn er kam aus dem Jujutsu. So bleib es zumeist bei Geländeübungen im nächtlichen Walde mit meinem Bruder und unseren Freunden.

• Ninjutsu war für mich ein Irrweg. Zwar schlugen wir uns nachts im Dunkeln mit Blankwaffen und warfen uns Wurfsterne an den Kopf, doch war Ninjutsu für mich mehr auf die Lebensführung (beständiger Krieg) und den militärischen Nahkampf (Ausschalten des Gegners aus dem Hinterhalt) ausgelegt. Für mich gab es zu wenig Kampfkunst.

1987, TAJI QUAN

◄ Ich erlernte die ersten Bewegungen des alten Yang-Stils bei Frieder Anders. Aber Frieders Auslegung des Taiji konnte mich wenig überzeugen. Dafür befaßte ich mich umsomehr mit der langen Form des Stils. Vor allem das Nachgeben, die Waffe des Taiji, blieb mir in den ersten Jahren unverständlich. Umfassend beeindruckte mich die lange Form. Doch ich brauchte Jahre um den Sinn und den Zweck der verschiedenen Bewegungen auch nur erahnen zu können. Also übte ich jahrelang, tagein, tagaus neben meinem Karate das Taiji. Ich war als der „Bekloppte“ bekannt, der jeden Tag bei jedem Wetter im Park steht und seltsame Bewegungsabfolgen übt.

1989, AIKIDO

◄ Meine Kenntnisse des Hebelns hatten sich seit dem Raufen in Schultagen nicht gesteigert. Also erlernte ich das traditionelle Aikido des Saito Sensei. Aikido war von seinen Wurzeln her ein reiner Schwertkampfstil, was mich sehr ansprach, wenn ansonsten auch eher im Stande und im Knien gerungen wurde.

• Aikido war für mich aber nur ein Auszug aus den Kampfkünsten. Zu viele Teile der Kampfkunst wurden für mein Empfinden ausgeblendet.

1991, WING TSUN

◄ Ich wollte eine Kampfkunst finden, die mir mehr über Schlagkraft und Handgemenge vermitteln konnte. Also kam ich zum Wing Tsun. So wurde ich Mitglied der EWTO. Leider gab es auch im Wing Tsun, wie zuvor im Karate, Ninjutsu, Taiji und Aikido sehr viele Glaubensinhalte. Dennoch war Wing Tsun erfrischend anders und damals am Markt ohne Konkurrenz.

• Wing Tsun übe ich bis heute, da es schöne Lösungen für den Faustkampf im Stande bietet. Zwischendurch machte ich ein Jahr Wing Tsun Pause, denn das Gebaren des Verbands focht mich schwer an. Nach dem bestandenen 1. TG verlor sich meine Begeisterung für das Wing Tsun zwar nicht, doch es stellte sich ein gewisser Verschleiß ein, welcher dem Umstand der erbarmungslosen geschäftlichen Tätigkeiten der EWTO geschuldet war. Sicher, im Wing Tsun ist das Nachgeben, im Vereine mit einer gesunden Vorwärtsspannung, eine hochwirksame Waffe. Doch ich wollte mehr, als bloß das Raufen zu erlernen.

2004, HISTORISCHES FECHTEN

◄ Neben meinem nunmehr heißgeliebten Wing Tsun, Taiji und Karate wurde ich aus alter Leidenschaft zum Schwertfechten Mitglied in einem Verein namens Zornhau, welcher Historisches Fechten der Deutschen Schule betrieb. Eine Deutsche Kampfkunst war für mich etwas völlig Neues.

2006, SCHLÜSSELERLEBNIS

◄ Das Schlüsselerlebnis in den Kampfkünsten als Erwachsener war für mich der Augenblick, als ich im November 2006 anfing die historischen Quellen, vor allem das GNM 3227a (aber auch das 44A8 und das I33) zu lesen. Was ich dort im GNM 3227a fand, das konnte ich anfänglich einfach nicht glauben. Die Handschrift war auf Frühneuhochdeutsch, von 1389. Was ich dort las, das hätte auch ohne weiteres im Tao Te King stehen oder als Unterrichtsinhalt des Wing Tsun oder Taiji Quan verwandt worden sein können.

• Mir wurde klar, daß es in vergangenen Zeiten eine echte Kampfkunst im Deutschsprachigen Raume gegeben hatte. Diese konnte sich offenkundig mit jeder heutigen asiatischen Kampfkunst messen, denn Kampfkünste leben von ihren Grundgedanken und Konzepten. Diese alte Kampfkunst wiederzubeleben und in ihrer Anwendung zu Üben wurde für mich immer mehr zum Ziel meiner Anstrengungen.

2007, FECHTSCHULE STAHL AUF STAHL

◄ Ich trat aus dem Verein Zornhau aus, denn ich fand nach den üblichen vereinsinternen Reibereien immer weniger Schnittmengen mit den Vereinsmitgliedern. Fünf Monate später gründete ich meine Fechtschule Stahl auf Stahl. Mein Ziel für Stahl auf Stahl war von Anfang an fest umrissen: Das Historische Fechten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit wiederzubeleben! Außerdem wollte ich mit Stahl auf Stahl ein professionelles Angebot im Historischen Fechten entstehen lassen, welches ich bisher vermißte.

2009, VERBAND STAHL AUF STAHL DEUTSCHLAND

◄ Die zum Teil sehr mühsame Aufbauarbeit um Stahl auf Stahl beginnt langsam Früchte zu tragen. Durch viel Glück lernte ich eine Reihe sehr ernsthafter und sehr aufgeschlossener Kampfkünstler kennen, welche am Historischen Fechten großes Interesse haben. Das ist in unserer heutigen, überpazifistischen Gesinnungswelt nicht selbstverständlich.

• Durch den Verband erhoffe ich das Angebot von Stahl auf Stahl mit größerer Raumwirkung anbieten zu können. Doch sind gerade mit der Verbandsarbeit noch viele Brücken beschwerlich zu errichten.

► Frankfurt am Main, 2009, Richard Cole (Stahl auf Stahl)

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