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Huten bei Fabris

General Themes of HF - Themen der Historischen Bewegungskultur.

Huten bei Fabris

Beitragvon Richard Cole » Mittwoch 16. April 2014, 17:11

Die Huten von Fabris weichen stark von der Liechtenauer Hutenlehre ab. Wenn es also einen Zusammenhang zwischen Meyers Fechtbuch und Fabris gibt, dann sollte dieser auch an den Huten von Fabris ablesbar sein.

Der Rest von Fabris Werk, also die Stücke, ist klar liechtenauerisch und immer Fechten im Bande.

Ich denke, dass Hynitsch 1677 das Original von Fabris ist, Fabris mag ein Fechtlehrer und eine historische Person gewesen sein, aber sein Fechtbuch halte ich mit "1602/1604" für viel zu früh. Außerdem ist die Rückdatierung und Berufung auf einen Patron als Verfasser zu dieser Zeit gängig. Hyntisch wird auf 1677 datiert, kann aber auch locker 50 bis 100 Jahre später sein.

Wenn Fabris nun eine Teilabschrift von Meyer ist, wofür der Aufbau, die Waffen, also Rapier, Dolch, Mantel, Speer, Ringen und das Rästel am Ende des Buches sprechen (Meyer zeigt die Auflösung), dann müssen auch die Huten von Meyer sein.

Fabris erwähnt, dass neben seinen vier Huten auf Kreuzebene noch weitere Bastardhuten vorhanden sind, die diagonal angeordnet sind und unserem Ochs und Plug entsprechen. Diese will er der Einfachheit halber nicht besprechen - doch sie tauchen in seinen Stücken immer wieder auf.

Schaut man sich Talhoffer "1467", den Scheibendolchteil, dann findet man im Orignial den Namen "Degen" für den Scheibendolch.

Der Scheibendolch ist ein Degen, eine primäre Stichwaffe, die aber auch schlagen kann - nur sehen wir heute den Degen eher länger, was das Blatt angeht.

Die Scheibe anstatt Kreuz ist eine Entwicklung, die angeblich in Spanien im "17" Jhd. zum Bechergefäß führt. Technisch ist der Parierbecher aber eine abgerundete Scheibe.

Hier haben wir auch die Brücke zu Fabris und Meyer:

Fabris Huten im Rapier, seine vier Grundhuten, kommen direkt aus Meyers Scheibendolch.
Die erste Hut Fabris`s im Rapier ist Meyers Oberhut im Scheibendolch, die zweite und vierte Hut Fabris's sind die beiden twer geführten Angriffe in Meyers Scheibendolch, die dritte Hut von Fabris ist die Unterhut von Meyer im Rapier.

Nur ist eben der Griff beim Scheibendolch anders herum - doch das Blatt und Ort steht in der Art und Weise der jeweiligen Hut. Auch die Asymmetrie der beiden Twerhuten, also zweite und vierte Hut von Fabris, ist gegeben.

Hier sieht man auch den Ursprung von Fabris Stücken mit Rapier und Dolch - es sind Stücke Meyers mit dem Scheibendolch.

Klar wird das bei Fabris Ringen und Dolch, wo er den Dolch nach Art eines Scheibendolchs führt.

Hier ist der historische Übergang vom Scheibendolch zum Degen zu finden.

Das 3227a nennt den Dolchen das "kurze Messer zum Kampf sticht - mit der Überschrift "Fechten mit dem Degen" (wieder ein Punkt, der das 3227a im "17." Jhd datiert). Im Gegensatz dazu kommt davor das Fechten mit dem langen Messer.

Kurz und lang beim Messer (also langes Messer und Scheibendolch) beschreiben - wie beim langen Schwert und kurzem Schwert - nicht das Artefakt, sondern die Fechtweise.

Talhoffers Scheibendolche sind recht lang - Hofdegen sind recht kurz, der Übergang ist fließend.

Bei Meyer sind fast alle Stücke mit dem Scheibendolch kurze Fechtweise - es gibt aber auf einige wenige in langer Fechtweise - das ist dann technisch nichts anders als Fechten mit dem langen Messer und die Stücke laufen auf so ab.

Talhoffer hat etwas mehr in langer Fechtweise, wobei der das Messer im Blatt greift, also Halbmesser, was er den Schild nennt.

Somit kann man leicht inhaltlich ableiten das Fabris Fechtbuch und 100% Klon von Meyer ist - nur eben auch eine neue Waffe übertragen, das Rapier mit Korbgefäß und sehr langem Blatt - von dem Fabris anführt, das es brechen kann, wenn man damit auf den Boden schlägt. Es kann also keine gute Qualität gehabt haben.

Meyers Rapiere sind lange Schwerter mit einem Eselshuf und einem recht kurzen Gehilz.

Meyer führt an, dass das Fechten mit den Rapier, nebst Huten, ein Import aus dem Ausland ist, gleiches gilt für Fechten mit Rapier und Dolch.

Fechtergruß
„Es gibt stets zwei Endpunkte, zwei Gegensätze. Die Kampfkunst ist die Fertigkeit, welche in ihre Mitte fällt.“
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Richard Cole
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